Erziehungs- und Bildungskonzeption

„Das Kind, das seine Erfahrungen in einer vorbereiteten Umgebung macht, vervollkommnet sich, aber es benötigt dazu ein besonderes Arbeitsmaterial.“ Maria Montessori (c) Montessori Landesverband Bayern (Foto: Anneliese Kompatscher)

Aus den Erkenntnissen über die Kindesentwicklung abgeleitet, entwickelte Montessori eine Erziehungs- und Bildungskonzeption, in der vier  Begriffe zentral sind: das pädagogische Prinzip von „Freiheit und Bindung“, die Erziehung zur Sachlichkeit, Ganzheitlichkeit sowie Verantwortlichkeit bzw. Sittlichkeit.

1. Das pädagogische Prinzip von „Freiheit und Bindung“

Dieses Prinzip dient der Balance zwischen einer pädagogisch zu verantwortenden Entwicklungs- bzw. Wahlfreiheit im Lernen als Basis für eine volle Entfaltung personaler Individualität und Kreativität (Freiheit zur Selbstverwirklichung) und den sozialen und moralischen Bindungen konkreter Lebens- und Lernbedingungen.

Diese Freiheit gehört zu den oft als problematisch empfundenen Grundsätzen Montessoris. Ihre Umsetzung zeigt sich in der sog. Freiarbeit am deutlichsten. In dieser vor allem sachbezogenen und von den Kindern/Schülern selbst gesteuerten Form des Lernens können die Lernsache, der Lernpartner und, in vorgegebenem Rahmen, auch die Lernzeit frei gewählt werden.

2. Erziehung zur Sachlichkeit

Kinder entwickeln nach Maria Montessori ihre vielfältigen und individuellen Kompetenzen nur durch die Auseinandersetzung mit der Realität bzw. Sachwelt wie z. B. Sprachen, Naturwissenschaften, Mathematik und Kunst. Auf jeder Stufe seiner Entwicklung (Sensible Phasen) sollen dem Kind individuelle Aufgaben bzw. Bildungsangebote gemacht werden.

3. Ganzheitlichkeit

„Einzelheiten lehren, bedeutet Verwirrung stiften. Die Beziehungen zwischen den Dingen herstellen, bedeutet Erkenntnisse vermitteln.“

Das Prinzip der Ganzheitlichkeit erfordert zuerst, dass Kinder in ihrem Lernen als ganze, unteilbare Persönlichkeiten wahrgenommen werden – das ist das von Pestalozzi her bekannte sog. Kopf-Herz-Hand-Lernen.

Maria Montessori setzt gegen ein Lernen ohne innere Zusammenhänge den Entwurf einer geordneten Weltsicht, an dem Kinder sich orientieren und so zu einer Welt- und Selbsterkenntnis befähigt werden können. Sie erschließen sich so ein Verständnis über die Lebensgrundlagen und die Wirksamkeit von Zusammenhängen in Natur, Kultur und Gesellschaft usw. Mit dieser Zielsetzung verknüpft und strukturiert Maria Montessori die Lern- und Wissensbereiche bzw. Unterrichtsfächer wie Biologie, Physik, Chemie, Astronomie, Religion, Ethik unter didaktischen Gesichtspunkten neu und fasst sie unter dem Begriff Kosmische Erziehung zusammen.

4. Verantwortlichkeit bzw. Sittlichkeit

Auf dem Fundament des Wissens um sachliche Lebens- und Wirklichkeitszusammenhänge muss nach Maria Montessori auch ein verantwortliches, moralisch wie demokratisch begründetes Handeln stehen. Der von ihrer christlichen Herkunft her begründete Schutz des Lebens und die Erhaltung wie Pflege der natürlichen Lebensgrundlagen (ökologische Bildung und Verantwortung) gehören dazu ebenso wie die Friedenserziehung.

Maria Montessori sah im Konflikt zwischen dem von Unwissenheit und Egoismus bestimmten Erwachsenen und dem auf unbedingte Liebe, Pflege, Ernährung und pädagogische Zuwendung angewiesenen Kind die Quelle von Hass und Krieg, und in den Kindern die „Lehrmeister des Friedens“. Durch ihre Pädagogik möchte sie Liebe und Harmonie, umfassende Gerechtigkeit zwischen Erwachsenen und Kindern wie weltweit zwischen Völkern, schließlich die Veränderung der Welt in Richtung auf eine einzige, friedliche Nation (nazione unica) fördern.

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