Unterrichtsformen an Montessorischulen

Mit der „kleinen Division“ macht das Kind konkrete mathematische Erfahrungen.

Die Unterrichtsformen an Montessorischulen können vielfältig sein: Freiarbeit, Gruppenarbeit, Projektarbeit oder gebundener Unterricht.

A.  „Freiarbeit“ Die typische Unterrichtsform der Montessorischule.

Jeden Morgen gehören die ersten zwei oder drei Stunden der “Freiarbeit”. Die Freiarbeit ist eine Zeit des selbst bestimmten Lernens mit Hilfe von Arbeitsmitteln.

Welche Bedingungen sind nötig, damit Freiarbeit gelingen kann?

1. Der Klassenraum ist eine "Vorbereitete Umgebung" für die Kinder. Er ist ein Arbeitsraum, ausgestattet mit didaktisch hervorragenden Arbeitsmaterialien, die die Kinder für ihre selbständige Arbeit brauchen. Die Arbeitsmittel sind kein Anschauungsmaterial, das die Lehrerin oder der Lehrer benutzt, um etwas zu erklären. Es  ist "Erfahrungsmaterial" für die Hand des Kindes. Im Umgang mit ihm schult es die körperliche und geistige Geschicklichkeit. Es gewinnt Erfahrungen und festigt neu erworbenes Wissen.

Der Klassenraum als „vorbereitete Umgebung“ für die Aktivität des Kindes.

2. Die LehrerIn hat diesen Raum eingerichtet und sie hilft den Kindern auch, sich darin zurechtzufinden. Sie zeigt den Kindern, welche Arbeiten sie machen können, dürfen und müssen. Sie lehrt den Gebrauch der vielen Montessori-Materialien wie auch der Arbeitsmittel, die sie selber hergestellt oder von Verlagen gekauft hat. Sie erklärt den Kindern die Regeln, die gelten, damit man zusammen arbeiten und lernen kann und strahlt durch ihre eigene Person Wärme und Orientierung aus.

Die Kinder lösen Additionen mit dem „Streifenbrett

3. Kinder brauchen Entscheidungsfreiheit. Sie wollen mitentscheiden, welche Arbeiten sie durchführen. Sie haben Interessen und wollen ihre Vorhaben verwirklichen. Die Kinder wählen aus dem Angebot an Arbeitsmitteln die Aufgaben aus, die sie durchführen wollen. Nina und ihre Freundinnen lösen Additionen mit dem „Streifenbrett“, Peter und Jonas wählen Lesekarten, Anja schreibt eine Geschichte, Tobi legt die lange Tausenderkette, Leo und Markus bestimmen Städte und Flüsse an Hand einer geographischen Steckkarte und Stefan bestimmt Wortarten mit Hilfe der „Wortsymbole“. Maria und Michael fragen, was sie tun können und werden von der Lehrerin beraten.

Bestimmung von Wortarten mit Hilfe der
„Wortsymbole“ / Arbeit mit der „kleinen Division“
Arbeit mit geografischen Steckkarten

4. Kinder brauchen relative Zeitfreiheit. Wenn sich Kinder für etwas interessieren, wollen sie so lange daran arbeiten, bis das Interesse nachlässt. Anja rechnet mit der kleinen Division eine halbe Stunde. Dann entscheidet sie sich für eine andere Arbeit. Tobi braucht für die Tausenderkette eine ganze Stunde und noch einmal 10 Minuten zum Aufräumen. Leo und Markus arbeiten fast 90 Minuten mit der geografischen Steckkarte. Die freie Arbeitswahl und die relative Zeitfreiheit helfen den Kindern, ihre Interessen einzubringen, zur Ruhe zu kommen und ihre Arbeiten mit Ausdauer durchzuführen.

Arbeit mit der „Tausenderkette“

5. Kinder brauchen Bewegungsfreiheit. Kindliches Lernen ist an Bewegung und Handlung geknüpft. Innere, geistige Aktivität verlangt stets auch nach körperlicher Aktivität. Sinneserfahrung und Bewegung sind unverzichtbar für das Lernen. Deswegen hat das Kind die Gelegenheit, selbstständig mit Arbeitsmitteln umzugehen und Erfahrungen zu machen. Auch das hilft, zur Ruhe, zur Konzentration zu kommen.

Viertklässler arbeiten mit Planeten, ein Erstklässler widmet sich einer Leseübung

6.  Soziales Leben und Lernen wird vielfältig bestimmt durch Verschiedenheit der Geschlechter, der Charaktere und der Altersstufen. Deswegen gibt es jahrgangsgemischte Klassen. Auch Lernanreize werden durch heterogene Gruppen erhöht.

7. Disziplin und Freiheit geben in ihrer Wechselwirkung den geistigen Rahmen, in dem sich Freiarbeit verwirklichen kann und in dem die Kinder ihren Willen, ihre Verantwortung, ihre Entscheidungskraft und ihr soziales Verhalten üben können; denn auch dies sind neben dem Wissenserwerb wichtige Lernziele. Dazu gibt die Freiarbeit vielfältige Gelegenheit.

B. Gebundener Unterricht

Während die ersten zwei oder drei Schulstunden der Freiarbeit vorbehalten sind, folgen nach der Spielpause auf dem Schulhof die gebundenen Unterrichtsstunden, die auch "Klassenunterricht" genannt werden. Zum gebundenen Unterricht gehören auch Unterrichtsgänge oder -fahrten.

Die Freiarbeit ist fächerübergreifend, der gebundene Unterricht gewöhnlich fachgebunden, kann aber auch fächerübergreifend sein. Nun werden jeweils bestimmte Themen aus den Bereichen Deutsch (Lesen, Rechtschreibung, schriftlicher Sprachgebrauch), Mathematik, Sachunterricht, Englisch, Musik, Kunst, Sport und Religion erarbeitet. Auch hier gilt das Prinzip der Differenzierung.

Hausaufgaben und schriftliche Leistungskontrollen beziehen sich auf die Unterrichtsthemen des gebundenen Unterrichtes. Bis zum Ende des vierten Schuljahres werden die Leistungen der Kinder meist ohne Noten durch informative Beurteilungen ausgedrückt. Im Zeugnis der Viertklässler finden sich i.d.R. auch Noten.

Kreisgespräch / Blick auf eine Klasse während des gebundenen Unterrichtes
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