Fragen und Antworten zur Montessori-Grundschule, von Barbara Stein

Welche Schulform hat die Montessori-Grundschule?

Die Montessorigrundschule kann je nach Landesverfassung 4- oder 6-jährig sein. Schulträger kann, ebenfalls wieder von Bundesland zu Bundesland verschieden, eine Stadt, eine Elterninitiative, die Kirche oder sonst jemand sein. In NRW z.B. sind Montessori-Grundschulen meist in städtischer Trägerschaft; in ihren äußeren Bedingungen - Berechnung der Lehrerstellen, Stundentafel, Klassenfrequenz und finanzielle Zuwendungen - unterscheiden sie sich nicht von den Regelschulen. Auch Schulgeld wird nicht erhoben; beim Übergang zu weiterführenden Schulen werden keine Prüfungen abgelegt.

In Bundesländern, in denen die Montessorischulen Privatschulen sind, werden die äußeren Bedingungen im Rahmen der bestehenden Landesgesetze von den privaten Trägern bestimmt; die Eltern zahlen Schulgeld.

Sind die Richtlinien und Lehrpläne auch für Montessorischulen verbindlich?

Die Richtlinien und Lehrpläne sind auch für die Montessorischulen verbindlich. Doch unterscheiden sich Montessorischulen durch ihren Weg, diese Ziele zu erreichen.

Welche Kinder werden in die Montessorischule eingeschult?

Alle Kinder, die in eine der üblichen Grundschulen eingeschult werden könnten, können auch die Montessorischule besuchen. Die Kinder müssen schulpflichtig sein und die Eltern müssen sich für die Montessorischule als Schule besonderer pädagogischer Prägung entscheiden.

Was geschieht nach Vollendung des 4. Schuljahres?

Sind am Ort keine weiterführenden Montessorischulen, so besuchen die Kinder andere Haupt-, Real-, Gesamtschulen oder Gymnasien.

Sind beim Übergang zu anderen Schulen besondere Schwierigkeiten zu erwarten?

Spezielle Schwierigkeiten, die sich aus der besonderen pädagogischen Gestaltung der Montessorischule ergeben, sind nicht zu beobachten. Die Kinder haben ja nicht nur die vom Lehrplan geforderten, sondern darüber hinaus viele zusätzliche Kenntnisse erworben; sie sind mit vielen verschiedenen Unterrichtsformen vertraut; Lern- und Arbeitshaltung sind ausgebildet. Wohl können einige sensible Kinder Umstellungsschwierigkeiten haben, da sie die an der Grundschule gewohnte Atmosphäre des persönlichen Vertrauens zwischen Lehrern und Schülern wahrscheinlich nicht an jeder weiterführenden Schule in der gleichen Weise wiederfinden werden.

Wodurch unterscheiden sich Montessorigrundschulen von Regelschulen? Was ist Erziehungsziel? Welche Prinzipien gelten?

Montessori-Grundschulen unterscheiden sich von Regelschulen durch ihren Weg, die Ziele der Richtlinien und Lehrpläne des jeweiligen Bundeslandes zu erreichen: in differenzierenden Unterrichtsformen werden den Kindern Mitbestimmung bei der Arbeitswahl, Partnerwahl, Zeit- und Bewegungsfreiheit zugestanden.

Die Bildung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes ist vorrangiges Erziehungsziel. Deswegen werden Erziehung zur Selbstständigkeit und Erziehung zum verantwortlichen Handeln besonders ernst genommen.

Die Unterrichtsformen an Montessorischulen können vielfältig sein: Freiarbeit, Gruppenarbeit, Projektarbeit oder gebundener Unterricht.

Das Konzept der Montessorischule ist überzeugend und zeitgemäß. Warum gibt es dann nicht mehr Montessori-Schulen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil es dazu nur Vermutungen gibt. Es könnte so sein:

Die Erkenntnisse Maria Montessoris über die Erziehung von Kindern und das Montessori-Schulkonzept waren zu ihrer Zeit so absolut neu, dass sie sich zwar ausbreiteten, aber zahlenmäßig in der Schullandschaft nur gering vertreten waren. Durch das Naziregime wurde die Entwicklung abgebrochen; alle bestehenden Einrichtungen wurden geschlossen. Nach dem Krieg lebten die Ideen wieder auf, Schulen wurden eingerichtet, blieben aber auch in der damaligen Schul- und Bildungslandschaft zahlenmäßig begrenzt und wirkten im Vergleich mit damaligen Vorstellungen von Erziehung eher “exotisch”.

Nach und nach fanden einige Prinzipien der Montessori-Pädagogik Anerkennung und wurden in die allgemeinen pädagogischen Vorstellungen übernommen. Das führte dazu, dass Montessorischulen nun teilweise als “überflüssig” und “veraltet” angesehen wurden.  Andere glaubten, dass es reicht, "hier und da ein Bisschen Montessori in die Schulen reinzuholen".  Aber die Montessori-Pädagogen beharren auf ihrer Überzeugung, dass ein klares Schulkonzept erst auf der Verknüpfung aller Prinzipien der Montessori-Pädagogik möglich ist; der Standard des Schulkonzeptes folgt pädagogisch-didaktische Überlegungen, nicht aber politischen Erwägungen. Vielleicht macht das Montessorischulen für Schulpolitiker weniger interessant. 

Ferner fehlen oft einfach Informationen oder bestehende Informationen werden nicht genutzt.

[  Startseite | Seitenübersicht | Impressum | Kontakt  ]

© 2005 Montessori Dachverband Deutschland e.V.